Ein Farbiges Bijou | Sweet Home

Posted on April 10, 2017

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Ein Farbiges Bijou | Sweet HomeSource: blog.tagesanzeiger.ch

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ABO+Von Marianne Kohler, 14. April 2019

Die Designerin Nina Hohendorf hat für ihre grosse Familie ein kleines Haus in Zürich-Oerlikon umgebaut und eingerichtet.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Seit nicht ganz einem Jahr wohnt Nina Hohendorf mit ihrer Familie in einem zauberhaft eingerichteten, wohnlichen kleinen Haus in Zürich-Oerlikon. Die Familie, das sind ihr Ehemann Andreas Trümpy und die vier Söhne Hugo (11), Fritz (15), Oscar (14, auf dem Bild v.l.n.r.) und Theo (16), der zur Zeit des Shootings in der Berufsschule war.

Das Codewort zu dieser inspirierenden Wohngeschichte ist «Senfgelb». Nina hat mir nämlich, als sie die Senfgelb-Geschichte auf «Sweet Home» gesehen hat, ganz spontan ein paar Schnappschüsse ihrer Wohnung gemailt, um zu zeigen, wie sie die Farbe Senfgelb eingesetzt hat. Ich war so begeistert, dass ich sie zu einer Homestory überredete.

Empfangen hat uns Andreas, der auf unsere «Ahs» und «Ohs» gleich erklärte, dass die Einrichtung vor allem Ninas Werk sei. Nina war Schuhdesignerin und arbeitet nun als Interiordesignerin. Andreas hat einen ganz anderen Beruf, er ist Elektroingenieur. Aber auch er hat einiges zur Einrichtung beigetragen. So montierte er im Nu die Lampen ab, die über dem Esstisch baumeln. Da wollten wir nämlich das Porträt der Familie machen, und die Lampen wären auf dem Foto im Weg gewesen.

Nina erklärte: «Als wir einrichteten, waren gerade so viele schöne Leuchten in den Brockenhäusern im Angebot, dass ich nicht bloss eine wollte, sondern dachte, eine Abwechslung von Leuchten wäre doch eine gute Idee!» Andreas hat sich ein cleveres und attraktives System ausgedacht, wie man die Leuchten einfach an- und abhängen kann. 

Ein Haus mit Farben

Gefunden hat die Familie das Haus nicht auf die einfache Art. Zuvor wohnten sie in einer Mietwohnung, alle auf der gleichen Etage. «Die Buben wurden grösser und lauter, und die Wohnung bot nicht allen den besten Platz und die nötigen Rückszugsmöglichkeiten» erklärt Nina den Schritt, sich nach einem Haus umzuschauen. «Die Suche war schwierig und langwierig. Bei dem endlosen Bieten konnten wir einfach nicht mithalten. Manchmal machten Eigentümer gar richtige Familiencastings, um sich dann die Familie auszusuchen, die ihnen am sympathischsten war.»

Als sie es schon fast aufgegeben hatten, fanden sie die Anzeige dieses kleinen, angebauten Mehrfamilienhauses von 1928 in Oerlikon. «Ich habe gleich angerufen und gesagt, dass wir es zu dem ausgeschriebenen Preis gleich sofort kaufen würden» erzählt Nina. «Die Verkäufer fragten erstaunt, ob wir es denn nicht anschauen wollten. Darauf antwortete ich: Nein, nicht nötig, wir nehmen es auf jeden Fall! Besichtigt haben wir es dann schon, und es war alles ziemlich heruntergekommen.» Doch die Familie war so glücklich, endlich ein Haus zu haben, und Ninas Vorstellungskraft und Kreativität waren gross genug, um das Bijou in ihm zu sehen und herauszuarbeiten. 

Durch die Haustür erreicht man einen kleinen Flur und das Treppenhaus mit Zugang zu einer golden gestrichenen Gästetoilette. Durch eine Glastüre, welche die ehemalige Wohnungstüre für die Parterrewohnung war, kommt man dann in den grossen, warmen Wohnraum, der auch Esszimmer ist und einen hübschen kleinen Anbau hat. Dieser ist vornehmlich in dem eben genannten Senfgelb gestrichen. Farben sind Nina sehr wichtig. Sie tauchen an Wänden auf, aber auch als Akzente, an Möbeln und im Anbau auch an der Decke. Alle Farben sind differenzierte, warme Wohntöne, die untereinander harmonieren. 

Sonnenzimmer

Für den Umbau holten sie sich einen Architekten, beim Design aber war Nina federführend. Für sie war es wichtig, den Charakter des Hauses zu belassen und die schönen Sachen hervorzuholen und zu unterstützen. Als Einziges neu dazugekommen ist der Anbau, eine Art Wintergarten. Im Sonnenlicht strahlt er freundlich, unterstützt von dem warmen Senfgelb, das als Hauptfarbe eingesetzt ist. Vom Wohnraum führen ein paar Treppenstufen hinunter in den einladenden Raum mit drei Fensterfronten. Die Fensterrahmen sind dunkel gestrichen, schlichte Bastrollos filtern zu starke Sonnenstrahlen und sorgen abends für Privatsphäre. 

Möbel aus den Vierzigern

Auf die Frage, woher denn die eleganten Vierzigerjahre-Möbel kommen, erzählt Nina eine ihrer schönen Wohngeschichten. «Als ich noch studierte, haben Freunde meiner Eltern die Villa der Grosseltern geräumt. Sie war voll mit altem Zeug, das sie loswerden wollten. Ich spitzte meine Ohren, fragte meinen Papa, ob er denn mit dem Auto mitkäme, und hatte danach ein Lager voller schöner Möbel. Nun kann ich endlich alle benutzen und ihnen einen angemessenen Platz geben.» Die meisten Möbel im Anbau sind aus dieser Rettungsaktion.

Symmetrisch und doch nicht

Nina hat die schönen Stücke zum Teil neu gepolstert und unterstützt sie mit passenden Accessoires und kleinen Tapetenwänden. Die zwei Wandstücke neben dem Durchgang hat sie mit grossflächig gemusterten Tapeten bezogen. Beide Seiten zeigen ein unterschiedliches Dessin. Neben dem Sitzsofa hat sie ein grafisches Muster eingesetzt. Seine Art-déco-Anmutung unterstützt sie mit einer zweifarbigen Tischleuchte.

Tropisch

Auf der gegenüberliegenden Seite ziert ein Palmenblatt die Wand. Daneben steht eine schlichte Liege mit Samtbezug, Quiltkissen und Kuscheldecke. 

Neugierig

Ein Sideboard aus den Sechzigerjahren ist das Hinguckstück im Wohnzimmer. Darauf stehen eine Familie neugieriger Erdmännchen, eine edle Vintage-Tischleuchte und einige Sammelstücke. Davor platziert ist ein eleganter Loungechair von Eames mit Fusshocker. 

Verbindungen

Die verschiedenen Bereiche des offenen Hauptraumes verbinden sich stilmässig miteinander. Nina meint: «Alles sind Einzelstücke, die auf irgendeine Art in unser Wohnleben gekommen sind und zusammen unsere Einrichtung ausmachen.» In der Sitzecke sieht man, wie harmonisch das mit ganz unterschiedlichen Sitzmöbeln gelungen ist. An den Wänden hängen Bilder, die Nina gemalt hat. 

Discothek

Andreas’ Arbeitszimmer ist eine Bibliothek der speziellen Art. Der Hobby-DJ hat die Regale um den Arbeitstisch mit Schallplatten und CDs gefüllt. 

Schrankwand

Zurück an den grossen weissen Esstisch mit den gemütlich gepolsterten Stühlen drumrum. Darüber tanzt eine Serie der bereits erwähnten hübschen Leuchten aus dem Brockenhaus. Nina hat noch ein paar andere auf Lager, die sie je nach Anlass und Laune ab und zu einwechselt. Die blaugrüne Wand hinter dem Tisch ist ein Küchenmöbel, das die beiden Bereiche trennt. Nina hat hier gekonnt getrickst, denn im Möbel befinden sich auch tragende Mauern. Sie fand, dass es eleganter und ruhiger wirke, wenn alles aus einem Guss sei. Die Bilder zeigen italienische konkrete Kunst, die Nina, die als Schuhdesignerin lange Zeit in Italien gelebt hat, besonders liebt. 

Schau- und Staustück

Die Küche hat Nina entworfen. Sie ist eine wunderschöne Mischung von Gemütlichkeit, Moderne und Funktion – und dabei sehr persönlich. Die blaugrüne Wand entpuppt sich als praktisches Staumöbel mit einem Vitrinenelement. Darin stehen einige besondere Stücke von Ninas gesammelten Gläsern, Etageren, Karaffen und Champagnerkübeln. 

Gemütliche Küche

Die Küche will man am liebsten mit nach Hause nehmen. Grosszügig, elegant und supergemütlich bietet sie Platz für Neues und Altes, für riesige Töpfe, antikes Kochgeschirr und frische Küchenkräuter.

Salonecke

Endlich sehe ich meinen persönlichen kleinen Einrichtungswunsch, nämlich ein Sofa in der Küche, in die Tat umgesetzt. In Kombination mit dem kleinen ovalen Tisch, dem passenden Stuhl und dem Kronleuchter darüber wirkt diese charmante Ecke wie aus einem eleganten Bistro.

Es grünt

Am Fenster grünt und spriesst es. Kräuter in Töpfen stehen in einem antiken Backgeschirr. Natürlich fehlt es auch nicht an ein bisschen Italianità. In einer grossen, grünen, handgemachten Keramikschale stecken Cedre, Amalfizitronen und Limonen. 

Der Süffler und der Kuchen

Das Bild ist ein Erbstück der Grossmutter Mathilde. Die Familie nennt es den «Süffler», dieser ist so etwas wie ein freundlicher Gast. Darunter steht ein fantastischer Gugelhopf, den Nina gebacken hat. Eigentlich ist Hugo der grosse Bäcker in der Familie. Er erzählt uns, wie er gestern mit Freunden einen Regenbogenkuchen gebacken habe, der ganz viele Farben hatte. «Leider war er bloss wunderschön, aber nicht ganz so fein», kommentiert der Elfjährige sein Werk. 

Schatzschubladen

Begeistert ist Nina von ihren Schubladen. Endlich hat sie Platz für ihre ausgedehnte Geschirrsammlung. «Ich habe, glaube ich, etwa 350 Teller», strahlt die Sammlerin. Auch an Besteck mangelt es nicht. Gefunden hat sie alles über lange Zeit in Brockenhäusern und auf Flohmärkten. Die Schubladen, die sich im zartgrauen Schrank befinden, welcher sich bis in den Wohnbereich zieht, sind gross und tief genug, um alles ordentlich zu verstauen. 

Noch mehr Schönes

Ninas Atelier befindet sich im Untergeschoss. Auch hier gibt es Sammelstücke, die natürlich alle immer mal wieder gebraucht und eingesetzt werden.

Die Pantoffelprinzessin

Ihre Karriere als Schuhdesignerin begann Nina Hohendorf als Freelancerin. Sie arbeitete für verschiedene namhafte Schuhfirmen in Italien. Eine davon, Como Lario 1898, bot ihr nach einigen erfolgreichen Kollektionen an, eine kleine Kollektion unter ihrem eigenen Namen zu kreieren. So entstand die Nina-Hohendorf-Collection, mit sportlich eleganten Damenschuhen im Hochpreissegment. Später hat sie noch die Hausschuh-Linie «Boudoir» dazugefügt, was ihr den Spitznamen «Pantoffelprinzessin» einbrachte.

Die Schuhe wurden international verkauft und waren vor allem in den USA und in Japan sehr erfolgreich. Aber auch in Zürich konnte man ihre Kreationen kaufen, zum Beispiel bei Bufalini oder Kowä. Einen medialen Höhepunkt feierte Nina, als Sarah Jessica Parker in einer Folge von «Sex and the City» für einmal statt Manolos Stiefel von Nina Hohendorf probierte. «9/11 hat dann mein Business beendet. Einer meiner grössten Kunden in New York war direkt von den Anschlägen betroffen. So sass ich auf einer grossen Menge fertig produzierter Ware fest, die nie bezahlt wurde. Gleichzeitig hat sich auch die Branche verändert. Nur die ganz Grossen konnten sich halten.» 

Eigentlich plante sie in jenem Herbst, in die weite Welt zu reisen. Doch dann traf sie in Zürich ihren Mann, und es war Liebe auf den ersten Blick! Bis zum dritten Kind hat Nina noch in ihrem Beruf als Schuhdesignerin gearbeitet und reiste dafür regelmässig nach Italien. Doch dann war erst mal Pause. Sie beschäftigte sich mit kleineren Projekten wie der Kreation von Lederbodenbelägen, Messeständen oder dem Design eines Restaurants für einen Schuhproduzenten. «So bin ich in den Interiorbereich gerutscht», lacht sie.

Im letzten Jahr konnte sie an einigen für sie besonders befriedigenden Projekten arbeiten wie dem Einrichten von Neubauwohnungen für Ehepaare und Einzelpersonen, die altersbedingt aus Einfamilienhäusern in Wohnungen umzogen. «Sie wünschen sich meist die Atmosphäre ihres alten Hauses moderner und komfortabler in die neue Wohnung umgesetzt.» Dann steht Nina mit Rat und Tat zur Seite, erstellt Skizzen und Grundrissmodelle, macht Material- und Farbkonzepte, wählt die Möbel sorgfältig aus und setzt Wünsche und Vorstellungen um. «Einmal meinte eine Kundin, dass sie vor allem in der Küche und in der Bibliothek wohne. Das konnten wir wunderschön mit in die neue Wohnung nehmen», erklärt Nina. 

Obergeschoss

Während Nina in Ruhe im Untergeschoss arbeiten kann, sind die Buben in ihren Zimmern im Obergeschoss oder in der Dachetage. Auch hier spielte Nina geschickt mit Farben und Materialien. Die bestehenden Holzböden wurden abgeschliffen, das übrige Holzwerk wie Türen und Rahmen mit warmen Grau- und Grüntönen lackiert. 

Bubenzimmer

Zwei der Bubenzimmer befinden sich auf der oberen Etage, wo auch das Elternschlafzimmer und die Bäder sind.

Tapete mit Möglichkeiten

Hinter Hugos Bett wächst der Dschungel. Natürlich nur in Tapetenform. Die farbenfrohe, sinnliche Dschungellandschaft ist auf Panele gezogen. «So kann man sie mal mitnehmen und damit eine Partylocation aufpeppen, an der Andreas als DJ auflegt», erklärt Nina diesen Entscheid. 

Schlafen mit Aussicht

Das Elternschlafzimmer hat einen grossen Balkon, der zum Zeitpunkt unseres Fotoshootings vor zwei Wochen noch nicht bepflanzt war. «Im Sommer kann man die Türen aufmachen, und der Raum bekommt eine südliche Anmutung», schwärmen Nina und Andreas. 

Clevere Details

Auch wenn das Elternschlafzimmer ein wenig grösser ist als die Bubenzimmer, ist der Platz doch beschränkt. So hängt das Nachttischchen ganz einfach quer an der Wand. Andere hübsche Details sind die Materialien und Griffe der Schränke im ganzen Haus. 

Das Reich der Buben

Unter dem Dach eröffnet sich die Welt der vier Buben. Die beiden grösseren haben hier ihre Zimmer. Der grosse Raum dient allen zum Spielen, Arbeiten und um Zeit mit Freunden zu verbringen. Falls mal Übernachtungsgäste angesagt sind, gibt es ganz oben unter dem Giebel noch zwei Schlafplätze.

Ninas Website: 

Nina Hohendorf

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