Die Sache Mit Dem Umstellen

Posted on December 10, 2017

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Die Sache Mit Dem UmstellenSource: blog.tagesanzeiger.ch

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Von Marianne Kohler, 26. Mai 2019

Möbel verschiebt man nicht nur, um schöner zu wohnen. Es geht auch um Gefühle.

Wann immer ich eine Krise habe oder sich etwas bewegt in meinem Leben, räume ich um, stelle um und ändere etwas in der Wohnung. Ich bin da nicht die Einzige. Gerade erst hat ein Kollege im Stadtblog über die Möbelsucht seiner Frau geschrieben. Den Artikel habe ich aufmerksam gelesen – und er hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Liebevoller erzählt der Musiker und Künstler Nick Cave in seinem Film «One more time with feeling», wie seine Frau Susie ständig die Möbel umstellt und zwar so, dass auf einmal das Schlafzimmer im Wohnzimmer – und das Wohnzimmer woanders ist. Er erwähnt auch einen Freund, der es so hasste, dass seine Frau dauernd umstellte, dass er die Möbel an den Boden nagelte und die Ehe in die Brüche ging. (Bild rechts: Pinterest, Bild links: Drop it modern) 

Im Zusammenleben können das Umstellen von Möbeln und das Einrichten auch eine Kampfstrategie sein. Eine Art Kriegsführung, die Eroberung von Territorium. Oder wie Nick Cave in seinem Film erzählt, dass sein Psychiater es als «Ausdruck von unterdrückter Kreativität» gedeutet hat. Susie Cave, die in den 90er-Jahren ein Supermodel war, hat übrigens eine fantastische und sehr erfolgreiche Modelinie namens The Vampires Wife. Das Bild ist von deren Website.

Die Wohnung, einzelne Räume oder bloss eine bestimmte Ecke neu anzugehen, zu ändern, zu verschönern oder aufzuwecken, bringt dem, der es tut, Ruhe und die Möglichkeit zum Umdenken. (Bild über: La Dolce Vita Blog)

Umstellen, Einrichten und neue Möbel helfen auf jeden Fall, Dinge zu bewältigen. Viele Männer, die ich kenne, bauen sich beim Einrichten eher eine Höhle statt ein Wohlfühlnest. Sie ziehen die Leuchtenabteilung dem Kissenregal vor und Designshops den Wohnboutiquen. Und doch habe ich bemerkt, dass auch bei ihnen das Einrichten und Umstellen bedeutender wird, wenn sich etwas ändert im Leben. Es hat viel mit einem Selbstfindungsprozess zu tun. (Bild über: Apartment Therapy)

Der Anfang einer Einrichtung ist immer die Liebe. Die Liebe zum Leben, zu sich selbst und die Liebe zu den Menschen, mit denen man die Wohnung teilt. Ich persönlich fühle mich ganz klar wohler in Wohnungen, die persönlich und mit Liebe zum Detail eingerichtet sind und bei denen man das Gefühl hat, dass sich immer wieder etwas ändert. (Bild über: Murphy Deesign)

Dieses Bild habe ich im Blog My unfinished home gefunden. Der Name «Mein unfertiges Zuhause» entspricht auch meiner Wohnphilosophie. Meine Eltern waren da ein grosses Vorbild. Sie haben ständig etwas geändert, umgestellt, umdekoriert und neue Looks umgesetzt. Mein Vater strich Wände, montierte Bilder, Regale und Vorhangschienen, meine Mutter nähte Vorhänge, Kissen, Polsterbezüge, und zusammen passten sie die Wohnung und die Möbel der jeweiligen Zeit und Lebensphase an. So fühlt man sich auch heute bei ihnen nie in einer Wohnung von älteren Menschen.

Ich kenne viele, die deutlich jünger sind, und auch solche, die über mehr Geld, Platz und Möglichkeiten verfügen – und doch fühlt man sich bei ihnen wie in einer Wohnung älterer Menschen. Meiner Meinung nach ist das Alter keine Frage der Anzahl Jahre, sondern der Beweglichkeit und des Willens zur Veränderung.

Erst kürzlich habe ich eine Kochsendung von Rick Stein gesehen, in der er Venedig besuchte. Er beendete sie mit einer Liebeserklärung an die vergängliche Schönheit der Stadt. Dabei sagte der 72-Jährige, er sei kein Freund von Dauerhaftigkeit: «Wieso soll ich auch, in meinem Alter.» Das Verändern gehört ganz einfach zum Leben und damit auch zum Wohnen. (Bild über Skye Mc Alpine, deren Instagramfeed übrigens wunderschön und inspirierend ist.)

Kleine Veränderungen tuns manchmal auch. Dazu gehören Blumen, neue Bilder an der Wand, neue Kissenhüllen oder neue Schirme für Leuchten. (Bild über: Matchbook Mag)

Neues muss nicht neu sein. Alte Dinge, Sachen mit Geschichte und Lebensspuren bringen auf schönste Art Neues in die Wohnung. (Bild über: First Home)

Viele teilen ihr Zuhause mit Tieren. Erst kürzlich wurde ich angefragt für ein Interview zum Thema Wohnen mit Tieren. Ich musste leider aus terminlichen Gründen absagen. Aber ich habe mir Gedanken gemacht und kann eigentlich nur eines sagen: Wer mit Haustieren lebt, liebt diese als Familienmitglieder. Und wenn man jemanden liebt, gibt man ihm den Platz, den er braucht. Manchmal findet man erst nach einer Weile heraus, wer welche Lieblingsplätze hat – und auch diese ändern sich. (Bild über: Ameblo)

Die Katze führt zurück zu Beni Frenkels Stadtblog über die Möbelsucht seiner Frau,. Er hat die Farbe des neuen Sofas sehr unvorteilhaft beschrieben. Goldgelbe Sofas können, je nach Perspektive des Betrachters, Sonnenschein und Wärme in einen Raum zaubern. Das zeigt dieses gemütliche Prachtexemplar mit Samtbezug. (Bild über: Pinterest)

Credits: 

Blogs und Magazine: First Home, Ameblo, Matchbook Mag, My unfinished home, Murphy Deesign, Apartment Therapy, La Dolce Vita Blog
Instagram: Skye Mc Alpine
Fashion: The Vampires Wife

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